9. Türchen im Familien-Adventskalender

Ranias Geschichte

9. Dezember: Ranias Geschichte

Zwischen Bürokratie und Blumen

Im Sommer 2015 mussten mein Bruder Khaled und ich aus Damaskus fliehen. Mein Name ist Rania, ich bin 30 Jahre alt. Unser Stadtteil war völlig zerstört, es gab selten Wasser und Strom und immer wieder fielen Bomben. Eine Flucht von Syrien nach Europa ist sehr teuer, deshalb blieb ein Teil unserer Familie vorerst zurück: Khaleds Frau Khawla war schwanger und mein Mann Ibrahim blieb mit unserem vierjährigen Sohn Karam bei ihr. Mein Bruder Khaled, seine vierjährige Tochter Rasha, mein zehnjähriger Sohn Amer und ich verließen Syrien.

Ranias Geschichte - Zwischen Bürokratie und Blumen

In Deutschland erhielten wir unsere Anerkennung als Flüchtlinge. Wir fanden in Mecklenburg ein neues Zuhause, aber unsere Sorgen hatten damit kein Ende. Anfang 2016 wagten auch Khaleds inzwischen hochschwangere Ehefrau Khawla und mein Mann mit Karam die Flucht. Glücklicherweise verlief die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer ohne Probleme. Aber dann strandeten sie mit tausenden Geflüchteten in Idomeni vor der griechisch-mazedonischen Grenze, die nun geschlossen worden war. Khaled stellte einen Antrag auf Familienzusammenführung, damit seine Frau das Baby in Deutschland sicher zur Welt bringen könnte. Dafür waren viele Dokumente notwendig. Die mussten in Damaskus besorgt und beglaubigt und dann in der syrischen Botschaft in Beirut noch einmal bestätigt werden. Das kostete viel Geld und dauerte lange. In der Zwischenzeit wurden die Bedingungen der deutschen Botschaft in Athen verändert. Nun war auch noch die deutsche ID der anerkannten Person gefordert. Bevor diese ausgestellt werden konnte, wurde der kleine Wasim in Athen geboren. Nun mussten für das Baby alle Papiere besorgt werden, bevor eine Reise möglich war.

Ranias Geschichte - Zwischen Bürokratie und Blumen

Im September 2016 war es nach einer schweren und oft angstvollen Zeit des Wartens endlich soweit. Khawla kam mit Wasim am Flughafen in Hamburg an. Khaled, seine Frau und ihre beiden Kinder konnten sich endlich in die Arme schließen. Auch mein Mann kam mit unserem kleinen Jungen, den ich fast zwei Jahre nicht gesehen hatte, wohlbehalten in Hamburg an. Ich war überwältigt vor Glück. Eine fremde Frau am Flughafen war so ergriffen von diesem großen Moment, dass sie uns spontan einen Strauß Blumen überreichte.

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Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.