6. Türchen im Familien-Adventskalender

Ahmeds Geschichte

6. Dezember: Ahmeds Geschichte

Ein Foto von meinen Kindern

Mein Name ist Ahmed, ich komme aus Afghanistan. Ich habe dort mehrere LKW besessen und für die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) gearbeitet. Die Taliban wollten, dass ich sie mit internen Informationen beliefere. Als ich das nicht tat, ging direkt unter meinem LKW eine Bombe hoch. Ich habe überlebt, schwer verletzt. Von da an war ich getrennt von meiner Familie, denn ich lag monatelang in einer anderen Stadt im Krankenhaus.

Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, waren noch nicht alle Wunden vollständig verheilt. Wohin sollte ich nun gehen? Zurück zu meiner Frau und unseren drei kleinen Kindern konnte ich nicht. Ich hätte auch ihr Leben gefährdet, da die Taliban keine Ruhe gegeben hätten. Nachdem ich ihre erste Warnung überlebt hatte, hätten sie mich weiter unter Druck gesetzt.

Ich floh zuerst in den Iran. Da ich dort keinen Anspruch auf medizinische Versorgung hatte, bin ich nach Deutschland gekommen. In meinem Zustand war der Weg die absolute Hölle. Ich schaffte es trotzdem und kam hier in Deutschland gleich in eine Spezialklinik. Sie konnten mein linkes Bein zwar retten, aber es wird immer steif bleiben. Ich habe jetzt einen Ausweis, in dem steht, dass ich zu fünfzig Prozent behindert bin.

Mein Asylantrag ist abgelehnt worden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sagt, ich könne in Afghanistan ja als Busfahrer arbeiten. Ich kämpfe weiter, aber die Menschen in der Behörde sagen mir, dass ich kein Recht darauf habe, meine Frau und meine drei kleinen Kinder nachzuholen – selbst wenn ich doch noch anerkannt werden würde. An dieser Aussage zerbreche ich immer mehr. Seit zwei Jahren habe ich jetzt meine Familie nicht gesehen. Ich dachte immer, Deutschland sei das Land der Menschenrechte. Warum habe ich dann kein Recht auf meine Familie? In Afghanistan kann ich nicht mit meiner Familie zusammen sein. Das ist unmöglich. Und nach Deutschland holen darf ich sie auch nicht. Wo sollen wir dann leben?

Ich trage ein Foto von meinen drei Kindern und mir ständig bei mir. Das ist alles, was mir geblieben ist von meiner Familie.

Bildquelle: Procyk Radek / Shutterstock.com

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.