5. Türchen im Familien-Adventskalender

Paulas Geschichte

5. Dezember: Paulas Geschichte

Eine deutsche Tochter

Meine Tochter Florita und ich stammen aus einem kleinen Land in Mittelamerika. Seit sechs Jahren leben wir in Deutschland. Lange Zeit hatten wir keine Papiere. Wir haben bei Freunden gelebt und nie Geld vom deutschen Staat bekommen.

Florita geht zur Schule, jetzt sogar aufs Gymnasium. Sie spricht Deutsch inzwischen besser als Spanisch. Für mich selbst war das nicht so einfach. Abhängig zu sein von anderen, nicht arbeiten zu dürfen - das hat mir sehr zugesetzt. Ich bin gut ausgebildet, habe im sozialen und Managementbereich gearbeitet und will unbedingt mein eigenes Geld verdienen. Im vergangenen Jahr hat Florita die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Ich als ihre Mutter konnte nur eine Duldung bekommen wegen des vorherigen Aufenthalts ohne gültige Papiere. Unser Anwalt hat sehr gekämpft, um zu erreichen, dass auch ich Papiere bekommen, für mein Kind sorgen kann und Geld verdienen darf. Schließlich wurde vor Gericht eine Lösung gefunden: Die Ausländerbehörde sagte, ich müsse in mein Heimatland ausreisen, dort bei der deutschen Botschaft um ein Visum für Deutschland bitten und damit legal wieder einreisen. Dann könne ich hier bleiben, um für mein Kind zu sorgen. Ich hatte Angst: Mein Heimatland ist gefährlich für mich und ich hatte mir Sorgen gemacht, dass Deutschland mich vielleicht nicht wieder einreisen lässt.

Aber ich musste fahren. In der Botschaft waren alle sehr nett. Sie haben sich nur gewundert über die Ausländerbehörde, weil doch auch eine Ausreise nach Dänemark oder Holland und ein Besuch der Botschaft dort ausgereicht hätte, um ein Visum zu erhalten. Dann wurde es noch schwieriger: Plötzlich wollte die Ausländerbehörde einem Visum gar nicht mehr zustimmen. Ich war so nervös. Florita wartete doch in Deutschland auf mich. Zum Glück war die Botschaft sehr hartnäckig und mein Anwalt in Deutschland auch. Am Ende habe ich das Visum bekommen. Mit der Rückreise hat auch alles geklappt. Jetzt habe ich eine Aufenthaltserlaubnis, ich suche mir Arbeit und dann eine Wohnung für Florita und mich.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.