3. Türchen im Familien-Adventskalender

Shamilas Geschichte

3. Dezember: Shamilas Geschichte

„Man hat mir nicht geglaubt, dass ich einen Sohn habe“

Ich bin Shamila, eine Frau aus Afghanistan. Fünf Kinder habe ich, aber ich lebe nur mit meinen drei Jüngsten zusammen. Wo mein Mann ist, weiß ich nicht. Ahmed, den Großen, und Hikmat, der damals 15 Jahre alt war, haben wir auf der Flucht 2015 aus den Augen verloren, sie waren plötzlich weg. Lange wussten wir nichts von ihnen. Ich bin mit den Kleinen bis nach Norwegen gekommen. Erst später erfuhr ich, dass Ahmed und Hikmat es nach Deutschland geschafft hatten. Beide waren anerkannt worden, für Hikmat wurde in einer Jugendwohnung gesorgt. Wir in Norwegen wurden abgelehnt und sollten nach Afghanistan abgeschoben werden. Verzweifelt haben wir uns nach Deutschland aufgemacht.

Ich habe den Behörden gesagt, dass ich einen Sohn habe, der noch minderjährig ist und hier lebt. Aber sie haben mir nicht geglaubt. In den Bescheid haben sie nur geschrieben: „An der Verwandtschaft bestehen erhebliche Zweifel. Die Antragstellerin kann schon das Geburtsdatum des Jugendlichen nicht benennen.“ Ich war so erschöpft zu der Zeit. Ich habe nur geweint, ich konnte nicht denken, ich konnte nicht den Kalender umrechnen. (In Afghanistan wird nach einem anderen Kalender gerechnet. Der heutige 3.12.2017 ist dort zum Beispiel der 12.9.1396.) In Afghanistan sind Daten auch nicht so wichtig. Ich hätte ein Recht gehabt, bei meinem Sohn zu sein, aber sie haben mir nicht geglaubt, dass es ihn gibt. Wir sollten zurück nach Norwegen.

Erst im Kirchenasyl konnte ich ein wenig zur Ruhe kommen. Wir konnten mit Hikmat sprechen, er hat uns seine Papiere geschickt. Als die Behörden das gesehen haben, haben sie mir geglaubt. Wir dürfen jetzt in Deutschland noch einmal erzählen, warum wir Schutz brauchen.

Bildquelle: Melih Cevdet Teksen / Shutterstock.com

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