24. Türchen im Familien-Adventskalender

Die Geschichte von Faris und Diyan

24. Dezember: Die Geschichte von Faris und Diyan

„Wann kommt Mama?“

Ich bin Faris. Mein fast siebenjähriger Sohn Diyan kam vor zwei Jahren mit mir nach Deutschland. Wir sind Kurden, kommen aus Syrien, haben lange in der Türkei gelebt. Das Asylverfahren ist längst mit einem Bleiberecht für uns abgeschlossen. Seit 2015 besucht Diyan, er ist mittlerweile neun Jahre alt, die Grundschule, spricht Deutsch, lernt fleißig. Doch ich spüre seinen tiefen Schmerz. Er vermisst seine Mama, seine jetzt drei, sechs und sieben Jahre alten Schwestern. Über zwei Jahre Trennung von ihnen - Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit belasten uns und auch die Menschen, die uns hier im Dorf fürsorglich begleiten. Die Gefühle erdrücken mich. Wieder und wieder die Frage von Diyan: „Wann kommt Mama?“ Ich habe keine Antworten mehr. Ich weine heimlich – nachts, wenn ich allein bin.

Im Februar 2016 erhielten wir eine Nachricht und waren überglücklich: Meine Frau, Diyans Mama, hatte die Flucht mit meinen drei kleinen Töchtern von der Türkei nach Griechenland geschafft. Doch bald war die Enttäuschung groß: Meine Frau und die Mädchen gehörten zu den zehntausenden Flüchtlingen, die in Idomeni, an der griechisch-mazedonischen Grenze, gestrandet waren.

Im März 2017 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zugestimmt, dass unsere Familie im Rahmen der Familienzusammenführung zu uns darf. Die griechischen Behörden sollten dafür zuständig sein, die Überstellung innerhalb von sechs Monaten durchzuführen.

Die entsprechende Frist ist verstrichen. Wir sind nach wie vor getrennt – innerhalb Europas. So nah und doch so unendlich weit entfernt. Der Grund: eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Griechenland mit dem Ziel der zahlenmäßigen Begrenzung der Familienzusammenführung. Weniger als fünf Prozent der vom BAMF erteilten Zusagen wurden 2017 eingehalten, wurde mir mitgeteilt.

Ich bin sprachlos. Zutiefst traurig. Deprimiert. Entmutigt. Maßlos verzweifelt. Desillusioniert. Ich weiß, dass in Deutschland bald Weihnachten gefeiert wird. Auch Diyan und ich haben einen Wunsch, einen Herzenswunsch.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“
(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland)

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.