23. Türchen im Familien-Adventskalender

Ramins Geschichte

23. Dezember: Ramins Geschichte

„Die Botschaft kann deinen Antrag nicht mehr bearbeiten“

Ich heiße Fatemeh, bin 22 Jahre alt und komme aus Afghanistan. Meine Eltern haben lange überlegt, wie wir als Familie gemeinsam der Gefahr dort entkommen können. Aber mein Vater war zu krank, um zu fliehen. Und er brauchte jemanden, der ihn pflegt. Also sind meine Mutter, meine Brüder Milad und Samir und ich allein geflohen. Auch das war sehr schwer, weil mein Bruder Samir wegen eines Tumors nicht laufen kann und im Rollstuhl sitzen muss. Ramin, mein jüngster Bruder, blieb in Afghanistan, um sich um unseren Vater zu kümmern. Er war damals elf Jahre alt.

Wir sind 2014 in Deutschland angekommen und wurden hier gut aufgenommen. Schnell hatten wir einen „Aufenthaltstitel“. Viele Menschen haben uns geholfen, wir haben Freunde und ein neues Zuhause gefunden. Besonders Milad und ich haben gut Deutsch gelernt. Milad hat einen Ausbildungsplatz gefunden und ich beginne bald mit dem Psychologiestudium. Samir wird medizinisch gut behandelt. Auch meine Mutter ist froh, dass wir hier sind.

Im März allerdings erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Vater gestorben war. Dass wir nicht zur Beerdigung reisen konnten, war sehr schlimm. Aber noch schlimmer war, dass Ramin, mein kleiner Bruder, nun ganz allein in Afghanistan war. Er ist doch auch jetzt erst vierzehn Jahre alt. Auch die Behörden haben gesehen, dass das nicht geht und Ramin hat für Juni einen Termin bei der deutschen Botschaft in Kabul bekommen. Aber dann gab es einen Anschlag in Kabul, bei dem die Botschaft zerstört wurde. Visumsanträge können seitdem dort nicht mehr bearbeitet werden. Auch der von Ramin nicht.

Wir waren ratlos und verzweifelt. Im September schließlich sagte man uns, dass Ramin in Neu Delhi vorsprechen könne. Aber um nach Indien zu kommen, braucht er auch ein Visum. Wir haben alles organisiert. In Delhi stellte die Botschaft fest, dass Ramins Geburtsdatum in zwei Dokumenten um einige Tage abweicht. Deshalb musste er zurück nach Afghanistan und das klären. Unsere Sorge wuchs, ob alles gut gehen würde. Fast acht Monate wartete Ramin nun schon. Für ihn und unsere Mutter war das besonders schwer erträglich. Aber jetzt hat endlich alles geklappt:

Am 2. November konnten wir nach über drei Jahren Ramin wieder in die Arme schließen. Wir danken all den vielen Menschen, die uns dabei unterstützt haben.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.