+ Die Geschichte von Lemlem und Yonas
17. Türchen im Familien-Adventskalender

Die Geschichte von Lemlem und Yonas

17. Dezember: Die Geschichte von Lemlem und Yonas

Ein neues Wort: „Wohnsitzauflage“

Yonas und ich sind in Eritrea gemeinsam zur Schule gegangen. Danach verloren wir uns aus den Augen. Jahre später trafen wir uns zufällig wieder. Inzwischen hatten wir beide unser Land verlassen müssen. Es war gut, jemand Vertrautes zu sehen, wenn man alles zurücklassen musste. In Deutschland fand ich in einem Dorf in Schleswig-Holstein ein neues Zuhause.

Später erfuhr ich, dass auch Yonas es nach Deutschland geschafft hatte, ihm war eine Unterkunft im Süden zugewiesen worden. Wir trafen uns – und verliebten uns. Nun wollen wir eine Familie gründen. Da wir beide Christen sind, haben wir uns kirchlich trauen lassen. Viele Freundinnen und Freunde haben mit uns gefeiert. Doch der deutsche Staat erwartet, dass wir auch nach seinen Regeln heiraten. Wir wollen das auch, aber es geht nicht: Weder haben wir Geburtsurkunden, noch bekommen wir welche. Herr P. aus dem Rathaus erkundigte sich bei der Ausländerbehörde, was getan werden muss, damit Yonas und ich zusammenleben dürfen. Wir lernten ein neues Wort: „Wohnsitzauflage“. Herr P. fragte das Jobcenter, fragte die Ausländerbehörden im Süden und bei uns – niemand hatte etwas dagegen, dass Yonas zu mir zieht. Die Gemeinde hat uns sogar eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Ich bin schwanger, wir werden eine richtige Familie. Yonas bekam sogar Arbeit angeboten – alles wird gut. Alles wird gut?

Es kam ein Brief von der Ausländerbehörde: Die Gemeinde hat ohne ihre Erlaubnis gehandelt. Die „Wohnsitzauflage“ von Yonas ist nicht aufgehoben worden, da wir nicht rechtskräftig verheiratet sind. Yonas soll zurück in den Süden.

Das kann doch nicht sein – mein Mann, der Vater meines Kindes! Er hat Arbeit, will für uns sorgen. Wir sind doch eine Familie! Ich war verzweifelt. Unsere Unterstützer redeten mit der Ausländerbehörde. Trotzdem musste Yonas zurück.

Eine Ärztin bescheinigte, dass ich schwanger bin, Yonas und ich beurkundeten, dass unser gemeinsames Kind in mir wächst. Die Gemeinde und die Kirche haben der Ausländerbehörde Briefe geschrieben und immer wieder angerufen. Ohne diese Unterstützung hätten wir aufgegeben. Es gibt so viele Regeln in Deutschland, die wir nicht kennen und nicht verstehen.

Nach einigen anstrengenden Wochen kam endlich ein Brief: Wir dürfen als Familie zusammen hier wohnen.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.