14. Türchen im Familien-Adventskalender

Die Geschichte von Mohamed Ali Abdi

14. Dezember: Die Geschichte von Mohamed Ali Abdi

Ich hoffe, dass ich bleiben darf

Ich bin Mohamed Ali Abdi und komme aus Somalia. Ich bin 60 Jahre alt. Jetzt bin ich mit meinem 15-jährigen Sohn Mustafa in einer Erstaufnahme in Hamburg.

Ich hatte mit meiner Familie in Mogadischu ein kleines Geschäft. Leider wohnten gegenüber von uns Terroristen. Einmal kamen Regierungssoldaten, die verlangten, dass ich mein Geschäft schließe. Bei dem Gespräch wurde ich von den Terroristen beobachtet. Sie meinten, ich würde mit dem Militär zusammenarbeiten und die Soldaten informieren. Erst erhielt ich Drohanrufe von ihnen, dann trachteten sie nach meinem Leben: Im Jahr 2014 schossen sie auf mich, um mich zu töten. Sie trafen mein Bein, meine linke Seite und meinen Arm. Seither bin ich schwerbehindert. Da viele Schaulustige kamen, ließen sie von mir ab und ließen mich schwer verwundet liegen. Ich wurde in ein Krankenhaus gebracht. Trotzdem ließen die Terroristen nicht nach, mich im Krankenhaus und auch später unter Druck zu setzen. Bis zu fünfzehnmal am Tag drohten sie mir telefonisch, mich umzubringen. Ich beschloss, Somalia zu verlassen. Um mein Leben zu retten und das meiner Familie zu schützen.

Mit meinem Sohn Mustafa floh ich nach Äthiopien. Dort musste ich neun Monate im Krankenhaus bleiben und weiter behandelt werden. Während dieser Zeit wurde unser Haus in Mogadischu durch einen Granateneinschlag zerstört. Meine Mutter kam bei diesem Angriff ums Leben. Von meiner Frau und unserer Tochter habe ich seitdem nichts mehr gehört. Nach Somalia kann ich nicht zurück. Meine Hoffnung ist dort geblieben.

Mit meinem Sohn Mustafa floh ich weiter nach Schweden und bat um Asyl. Ich war aufgeregt und durcheinander und habe nicht bemerkt, dass im Anhörungs-Protokoll ein Fehler war: Dort stand, dass ich 2013 verwundet wurde – es war aber 2014. Wegen dieses Widerspruches galt meine Schilderung später als unglaubwürdig, ich wurde abgelehnt und sollte von Schweden nach Somalia abgeschoben werden. Weil mir dort der Tod droht, sind Mustafa und ich weiter geflohen nach Deutschland. Aber Deutschland sagt, wir müssen zurück nach Schweden. Ich bin verzweifelt: Gibt es einen Ort, an dem ich bleiben darf und irgendwann, wenn wir uns wiedergefunden haben, auch wieder mit meiner Familie zusammen sein und in Frieden leben kann?

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.