13. Türchen im Familien-Adventskalender

Faridas Geschichte

13. Dezember: Faridas Geschichte

„Jetzt bin ich wieder ganz“

Mein Name ist Farida. Mein Mann, unsere drei kleinen Kinder und ich sind im Sommer 2015 aus Syrien geflohen. Es ist mir sehr schwer gefallen, meine Heimat zu verlassen, aber wir hatten keine andere Wahl, wenn wir überleben wollten. Wir haben viel Geld für die Flucht über das Mittelmeer bezahlt.

Als mein Mann mit unserem zweijährigen Sohn in einem Boot saß, sagten die Männer, dass das Boot nun voll sei und drängten mich zurück. Ich schrie und weinte. Auch Leyla und Nasrin, unsere beiden vier- und fünfjährigen Mädchen, schrien nach ihrem Vater. Aber die Männer zogen ihre Waffen und richteten sie auf uns und sagten, wenn wir nicht sofort ruhig wären, würden wir Europa nie sehen. Erst zwei Wochen später konnten die Mädchen und ich in ein anderes Boot. So verloren wir uns auf der Flucht. Es war schlimm. Ich habe nur noch geweint. Ich wusste nicht, ob mein Mann und unser kleiner Sohn noch lebten und wo sie waren.

Beinahe ein Jahr später erfuhr ich über viele Umwege, dass sie die Flucht überlebt hatten, ebenfalls in Deutschland waren und mein Mann mich suchte. Wenig später konnten wir uns wiedersehen. Ich war so glücklich und konnte die beiden gar nicht wieder loslassen. Doch mein Mann und mein kleiner Sohn wohnten weit weg von uns in einem anderen Bundesland. In den Behörden hieß es, dass wir nicht zusammenleben könnten, weil das zusätzlich Geld kosten würde. Und niemand war bereit, uns alle zusammen zu versorgen. Wir könnten uns ja gegenseitig besuchen.

Ich war wie versteinert. Ich habe das nicht verstanden. Wir sind doch eine Familie, die zusammenleben muss. Wir haben gesagt, wir gehen wieder nach Syrien, wenn wir hier nicht zusammenleben dürfen. Dann sterben wir als Familie lieber zusammen in Syrien, als getrennt in Deutschland zu leben.

Viele Deutsche haben das auch nicht verstanden und waren sehr verärgert darüber. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir die Erlaubnis zum Zusammenleben bekamen. Mein Mann und unser Sohn durften kommen und bei uns bleiben. Ich danke allen, die uns geholfen haben. Ohne meine Familie war ich kaputt, aber jetzt bin ich wieder ganz.

Bildquelle: Nicolas Economou / Shutterstock.com

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.