12. Türchen im Familien-Adventskalender

Karimas Geschichte

12. Dezember: Karimas Geschichte

Dass jemand da ist, der mir den Rücken stärkt

Vor zwei Jahren bin ich mit meiner Mutter nach Deutschland gekommen. Wir waren vor dem Krieg in Syrien geflohen, zunächst nach Libyen. Aber dann wurde die Situation dort immer schlimmer, so dass wir nicht mehr bleiben konnten.

Leider reichte unser Geld nur für meine Mutter und mich. Mein Vater musste in Libyen bleiben und ist auch heute noch dort. In Syrien hatten wir eine Großfamilie. Wir lebten alle in einem Stadtteil von Damaskus und haben viel zusammen unternommen. Jeden Freitag trafen wir uns, vor dem Gebet und auch danach. Es verging kein Tag, an dem nicht ein Verwandter bei uns vorbeischaute. Meine drei Brüder sind viel älter als ich, so lebte ich noch lange alleine mit meinen Eltern. Mein Vater verbrachte viel Zeit mit meiner Mutter und mir.

Karimas Geschichte - Dass jemand da ist, der mir den Rücken stärkt

Im Mai 2016 wurden unsere Asylanträge anerkannt, meine Mutter und ich erhielten aber lediglich „subsidiären Schutz“. Zuerst war ich froh, dass wir endlich ein Papier hatten und hier bleiben durften. Aber dann erfuhren wir, dass wir mit diesem Papier bis März 2018 kein Recht auf Familiennachzug haben – ein Schock für uns alle. Ich verstehe ja, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann, aber es ist sehr hart, dass wir über zwei Jahre auf meinen Vater warten sollen. Und jetzt ist völlig unklar, ob der Familiennachzug ab März 2018 überhaupt weiter geht. Diese Ungewissheit ist das Schlimmste. Ich weiß nicht, ob ich meinen Vater jemals wiedersehe!

Ich bin noch jung und möchte hier mein Leben neu beginnen. Mein Vater unterstützt mich zum Glück und gibt mir Kraft. Er ist zwar mittlerweile ziemlich krank und ganz allein in Libyen. Doch er ist auch stark und denkt immer positiv. Er macht mir am Telefon Mut und sagt zu mir: „Du schaffst das schon!“ Das ist für mich Familie: Dass jemand da ist, der mir den Rücken stärkt und mich unterstützt.

Alle Geschichten dieses Adventskalenders sind reale Berichte realer Menschen. Die Namen wurden von der Redaktion geändert.